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2019 Safari Afrika

Dusty Road

Dusty Road passt eigentlich besser zu Australien als zu Namibia, wenn man sich erinnert, wie dreckig insbesondere das Spassauto wurde. In Namibia gibt es auch Staub und den findet man dann zwischen den Koffern, wenn man die Lüftungsklappe nicht kennt, aber erstaunlicherweise sind fast alle Autos weiß und man sieht ihnen die Kilometer auf den unbefestigten Straßen kaum an. Dafür merkt man die Strecken an den Reifen und inzwischen können besonders Daniel und Lukas gut mit dem Kompressor, dem Wagenheber und dem Radschlüssel umgehen. Nachdem wir uns in Australien noch gerne von den Einheimischen die Arbeit haben abnehmen lassen, zogen wir in Namibia das do-it-yourself zu Anfang, und auf regulären Strassen, vor – insbesondere nach den ersten Erfahrungen mit offensiven Hilfsangeboten, die hinterher vielleicht doch etwas teuer bezahlt werden müssen (Tipp zum Reisen in Südafrika: die Gepäckwagen am Flughafen in Johannesburg kann man gut selber lenken). Interessant zu beobachten war, wie viele Autofahrer uns intensiv, zum Teil durch Hinterherfahren, auf zu niedrigen Luftdruck des Reifens aufmerksam gemacht haben und sofort mit Werkzeug gewinkt haben.








Oben: The funcar in Australia – watch and learn
Unten: Der erste Reifen musste in der Namib gewechselt werden

Nun können zu viele Warnungen auch abstumpfen, denn als den Reifen in Etosha das zeitliche segnete haben wir die Hinweise gar nicht wahrgenommen … vielleicht aber auch, weil wir in dem Moment einen Elefanten am Strassenrand interessanter fanden und nach weiteren Überraschungen Ausschau hielten. Jedenfalls: was tun, wenn im Etosha-Nationalpark der Reifen gewechselt werden muss und man bei Eintritt in den Park unterschrieben hat, das Fahrzeug nicht zu verlassen? Und wenn zudem der Park bei Sonnenuntergang schließt und man einen Reifenwechsel im Timing nicht vorgesehen hatte. Dann ist man froh, wenn der eben überholte Safaribus hält und die Tourführer Hilfe anbieten. Wir haben gelernt: man kann und muss das Fahrzeug verlassen und den Reifen wechseln … wobei: wir waren viel zu langsam, da war schon ein zweiter Wagenheber im Spiel und auch der Radschlüssel wurde ganz schnell übernommen – es hat nur 5 bis 10 Minuten gedauert, keine Zeit, auf die Uhr zu sehen, dann sassen wir wieder alle im Auto und wurden vom Safaribus sicher zum Anderson-Gate begleitet, wo man bereits über unser Missgeschick informiert war.

Und wenn wir schon bei Reifenpannen und schließenden Parks sind, dann darf natürlich Camp Kwando und der Mudumu Nationalpark nicht fehlen. Nach unserem Abenteuer mit den Elefanten im Mahango Nationalpark waren wir natürlich gespannt, was der Mudumu uns zu bieten hat und haben mit den sehr netten Gastgebern von Camp Kwando gesprochen. Es gibt einen Weg zu einen Aussichtspunkt auf dem man verschiedene Tiere sehen kann – je nachdem wer gerade unterwegs ist, am besten ist natürlich morgens früh oder gegen Abend, denn da sind sie aktiver. Und was die Wege angeht bekamen wir den Rat, einfach so weit zu fahren, wie wir uns wohlfühlen, aber besser die mit X markierten Routen zu meiden.

Gesagt, getan: am Eingang des Parks den Eintritt bezahlt und noch eine kopierte Karte bekommen sowie die Telefonnummer, die man anrufen soll, wenn es Probleme gibt. Ich bin soweit gefahren, wie ich mich wohlgefühlt habe, im Sand und sogar soweit es ging zur Löwin ran, die gerade ein Warzenschwein zum Abendessen geholt hatte. Das war das tierische Highlight dieser Fahrt. Bald danach wurde der Sand tiefer, so dass ich mich nicht mehr wohl gefühlt und das Steuer an Daniel übergeben habe, da er die meiste Erfahrung und bisher die besten Ergebnisse im Sand hatte …. bis wir an den Punkt kamen, an dem auch er sich nicht mehr wohl gefühlt hat.

Aber was tun, wenn man sich nicht mehr wohl fühlt, das heißt, wenn das Auto weder voran kommt, noch zurück fahren kann, alleine weil das zu lange dauert, denn in 30 Minuten kommt der Sonnenuntergang und der Park schließt, aber auch, weil das ebenfalls nicht mehr möglich ist. Wir stecken fest!

Wir haben immerhin eine Telefonnummer bekommen und es gibt sogar ein ganz klein wenig Empfang für die Smartphones, also erst mal Bescheid sagen, dass wir ein Problem haben. Nur leider meldet sich niemand unter der Nummer und auch im Camp sowie unter der Notfallnummer von Simone (die uns die Reise organisiert hat) ist niemand zu erreichen. Hat da eben ein Löwe gebrüllt? Was tun wir, wie kommen wir bis Sonnenuntergang hier raus? Wenn keine Hilfe erreichbar ist, dann müssen wir wohl erst mal schaufeln, etwas unter die Reifen legen – es gibt aber nur morsche Äste – und weiter versuchen, ob wir uns befreien können – und dabei gut auf Tiere achten, alle die Ohren aufsperren!

So ein Glück: Lukas hat eine neue Nummer gefunden, als er kurz ins Internet kam, da meldet sich das Camp – sie schicken Rettung! Langsam wird es auch dunkel, so schnell kommt niemand vom Camp hierher, kommen wir dann noch aus dem Park raus oder müssen wir am Gate im Auto übernachten? Am besten wir warten im Auto … oh eine SMS, das kann doch wohl nicht wahr sein, jetzt wo die Rettung naht meldet sich auch schon die Notfallnummer des Parks zurück und fragt warum wir angerufen haben und ob es ein Problem gäbe, oh ja:

Nach Camp Kwando haben wir Namibia und auch die staubigen Nationalparkstrassen verlassen, die letzte unbefestigte Schotterstrecke führte uns zum Grenzübergang nach Simbabwe und nach Victoria Falls – an einen Ort, der aus unserer Sicht zu großen Teilen dazu genutzt wird, Touristen Geld abzunehmen. Aber auch wenn es nicht billig ist, gibt eine klare Empfehlung für den gemütlichen Abend: die „Dusty Road“!

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